Asyl - die häufigsten Vorurteile

Informationsblatt

„Österreich wird von Asylsuchenden überschwemmt”

  • Seit Anfang 2015 ca 21.000 Asylanträge, bis Ende das Jahres insg. 50.000 - 70.000.
  • Zum Vergleich - In den 90er Jahren (Bosnienkrieg) wurden 90.000 Vertriebene aufgenommen, im Jahr 1956 während der Ungarn-Krise waren es über 170.000 Menschen.
  • Die meisten Flüchtlinge weltweit (86%) leben aktuell in Entwicklungsländern. In einem einzigen Flüchtlingslager in Kenia (Dedaab) leben knapp 340.000 Menschen.

„Asylsuchende leben in Österreich in Saus und Braus.”

  • Wenn Asylsuchende selbstständig wohnen: pro Person max. €320,-- für Miete, Heizung, Strom, Essen usw. Der vergleichbare Betrag aus der Mindestsicherung für einen Österreicher liegt bei €795,--. Eine fünfköpfige Flüchtlingsfamilie (Mutter, Vater, drei Kinder) bekommt ca. €910,-- monatlich, eine fünfköpfige österreichische Familie aus der Mindestsicherung ca. €2.200,-- monatlich.
  • Wenn Asylsuchende in organisierten Unterkünften wohnen: Wenn für Essen gesorgt ist, pro Person €40 pro Monat.

„Asylsuchende sind faul, wollen nicht arbeiten.”

Flüchtlinge erhalten erst uneingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt, wenn das Asylverfahren positiv abgeschlossen ist. Sie können jedoch für gemeinnützige Arbeiten (Remunerantentätigkeiten) eingesetzt werden (Schnee räumen, Grünanlagen pflegen, Reinigung von Quartieren), dafür bekommen sie einen Anerkennungsbeitrag von wenigen Euro pro Stunde.

„Österreich ist doch ein Binnenland, warum kommen so viele Flüchtlinge zu uns?”

Das hat mehrere Gründe. Welches EU-Land für die Prüfung des Asylantrages zuständig ist, regelt die Dublin III - Verordnung. Vorrangig ist jenes Land zuständig, welches zuerst betreten wurde oder in welchem als erstes ein Asylantrag gestellt wird. Da Schlepper die Wege der Flüchtlinge jedoch verschleiern, ist es oft nicht nachzuweisen, wo ein Flüchtling eingereist ist. Wird dann in Österreich der erste Asylantrag gestellt, ist meist Österreich zuständig.

Ein zweiter Grund ist, dass Österreich ein funktionierendes Asylsystem hat. Jeder Asylantrag wird genau geprüft, die Flüchtlinge erhalten eine Grundversorgung. In vielen anderen EU-Staaten müssen Flüchtlinge auf der Straße leben oder werden während der Prüfung des Asylantrages eingesperrt.

„Warum sind die meisten Flüchtlinge jung, männlich und allein?”

Tatsächlich sind aktuell ca. 75% der Asylwerber in Österreich männlich.

Meist sind die Kosten für die Schlepper so hoch, dass nur ein Familienmitglied flüchten kann. Es wird das jüngste, überlebensfähigste Mitglied auf den Weg geschickt, in der Hoffnung, dass es die restliche Familie später nachholen kann. Oft flüchtet die Familie auch gemeinsam, die Frauen und Kinder bleiben dann jedoch in Massenflüchtlingslagern in z.B. in der Türkei oder Libanon zurück.

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